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Mit dem Hausboot auf dem „Amazonas“ des Nordens

Die geplante Bootstour sollte uns die fast unberührte Peene hinauf führen. Bei herrlichstem Frühsommerwetter konnten wir am 02.06.09 um 12:15 Uhr mit der nagelneuen Levanto 38 von der Pedrowerft ab der Malchiner Marina am Industriehafen die Peene abwärts fahren. Mit dieser neuen Yacht bietet Yachtcharter-Schulz besonders für seehungrige Bootsurlauber die 6-Personen-Stahl-Motoryacht an. Künftig ist diese auf dem neuen Stützpunkt Marina Kröslin stationiert. Das Boot ist im Ostseeraum einzigartig. Der geniale Grundriss für vier bis sechs Personen bietet Salon und Küche auf einer Ebene. Somit lässt sich die Landschaft auch von Pantry und Dinette genießen. Bei Standard-Modellen ist dies kaum möglich, da Ess- und Küchenbereich bis zu zwei Stufen tiefer liegen. Unser Weg führte uns zunächst über den Peenekanal in den Kummerower See. Dieser ist der viertgrößte See in Mecklenburg-Vorpommern mit einer Länge von ca. 11 km und einer Breite von ca. 4,8 km. Die tiefste Stelle misst immerhin 23,3 m. Für Angler bietet der See beste Aussichten auf Angelerfolg. Leider hatten wir unsere Angel diesmal schlicht vergessen. Über den Kummerower See gelangten wir vorbei an Aalbude/Verchen und dem Wasserwanderrastplatz Verchen in die Peene. Zwischen Aalbude und Verchen kann man sich mit einer Motorfähre das kurze Stück von ca. 20 m übersetzen lassen. Fahrräder werden ebenfalls befördert. Der Fährmann wird per Glocke gerufen. Gemächlich fuhren wir weiter die Peene hinab in Richtung Demmin. Der Fluss schlängelt sich durch Torfgebiete, in denen noch vor ca. 20 bis 30 Jahren Torf gestochen wurde. Die Einstiche links und rechts der Ufer künden noch von dieser Art der Gewinnung als Brennmaterial. Um 15:30 Uhr erreichten wir Demmin. Bis zur Brückenöffnung legten wir an der Anlegestelle Hanseviertel (Steuerbord vor der Hubbrücke) an. Wir gönnten uns einen Kaffee und warteten auf die Brückenöffnung um 17:10 Uhr. Unbedingt sollte man sich vorher bemerkbar machen und im Fahrwasser die Absicht des Passierens deutlich anzeigen, möglichst mit zwei Huptönen. Auch Anrufen beim Brückenwärter ist möglich und sinnvoll, wenn sich zur Öffnungszeit nichts tut.
Nach dem Passieren der Hubbrücke ging es weiter Peene stromabwärts in Richtung Loitz. Die Stadt Demmin wird in einem großen Bogen umfahren, so dass die großen Backsteinkirchen von mehreren Seiten lange sichtbar bleiben. An dieser Stelle mündet auch die Trebel in die Peene. Die Trebel ist aber nur mit Paddelbooten zu befahren. Die Strecke nach Loitz sollte zügig gefahren werden, damit um 18:40 Uhr das Passieren der Drehbrücke Loitz möglich ist. Die Distanz zwischen Demmin und Loitz ist jedoch kürzer als durch die Kilometerangaben in den Karten ausgewiesen. Das kommt von einer Begradigung der Peene. Dadurch sind ca. 5 km „verschwunden“. Die Brücke in Loitz wird noch manuell betrieben und erfordert die Muskelkraft von zwei starken Männern. Gleich hinter der Brücke befindet sich die Marina Loitz. Sie wurde 2006 neu gebaut und liegt vor dem ehrwürdigen ehemaligen Bahnhofsgebäude. Ca. 35 Liegeplätze in der Marina bzw. direkt an der Hafenkaimauer bieten Platz für Sportboote. Die gesamte Anlage ist in einem sehr gepflegten Zustand. Der Sanitärbereich ist auch mit behindertengerechten Duschen und Toiletten ausgestattet. Unser Abendessen nahmen wir in der Gaststätte „Korl Loitz“ in angenehmer Atmosphäre im ehemaligen Bahnhofsgebäude ein. Das Speisenangebot sowie das gute Preis-Leistungsverhältnis kann weiter empfohlen werden. Am nächsten Tag erwachten wir gegen 7:00 Uhr durch den kräftigen Regen, der von Hagelschauern unterbrochen wurde. Das herrliche Wetter, dass uns das ganze Pfingstwochenende begleitete, war nun endgültig vorbei. Nach der Morgentoilette und dem Frühstück zeigten sich dann wieder einige Sonnenstrahlen am Firmament. Gegen 10:35 Uhr konnten wir im Trockenen in Richtung Anklam ablegen. Die Sonne hatte mehrere Wolkenlücken entdeckt. Unterwegs nach Anklam frischte der Wind teilweise auf und einige wenige Regenschauer mussten wir über uns ziehen lassen. Wir begegneten kaum Booten. Dafür konnten wir aber einen Seeadler, mehrere Fischreiher und vereinzelt Kormorane beobachten.
Auf der Peene
Unmittelbar vor Anklam entdeckten wir in einem Sumpfgebiet eine große Kolonie von Schwänen. Gegen 15:00 Uhr erreichten wir Anklam. Die Wartezeit bis zur Brückenöffnung nutzten wir hier für einen kurzen Einkauf. Die Einkaufspassage ist nicht mal 5 Gehminuten vom Hafen entfernt. Um 16:00 Uhr passierten wir die Eisenbahnhubbrücke von Anklam und fuhren Richtung Peenestrom. Die Zecheriner Brücke öffnete 16:45 Uhr für sechs Segler. Als wir ankamen, sprang das Signal auf rot. Mit 3,50 m Gesamthöhe konnten wir aber die rechte Passage der Brücke nutzen. Gemeinsam mit Seglern fuhren wie in Richtung Wolgast. Die See wurde immer lebhafter und wir mussten alle Schotten dicht machen. Unser Boot tanzte auf den Wellen. Unser John Meynard (Klaus) fuhr
uns aber sicher durch die „aufgewühlte See“. Gegen 18:50 Uhr bei einer steifen Brise legten wir im Hafen Lassan an. Unser eigentliches Ziel war die Marina Kröslin. Die etwas unruhige Wetterlage lies uns davon Abstand nehmen. In Kröslin ist jedoch der künftige Heimathafen des neuen Bootes. Mit der Eröffnung einer weiteren Basis zur Vermietung von Hausbooten hat das Unternehmen Yachtcharter Schulz aus Waren (Müritz) das Netzwerk von fünf bestehenden Stützpunkten im Großraum Mecklenburg Vorpommerns, von denen aus Urlauber mit den Booten in See stechen können, auf sechs vergrößert. Südöstlich von Rügen im Schutz der vor gelagerten Insel Usedom inmitten der unberührten Boddenlandschaft Vorpommerns liegt diese Basis Nummer sechs. Die Marina Kröslin ist ideal für Törns Richtung Polen, rund um Rügen oder auch in Richtung Bornholm. Wir meldeten uns in Lassan bei der Hafenkapitänin an. Anschließend erkundeten wir die Stadt mit ihrer imposanten Kirche St. Johannis, deren ältesten Teile aus dem 13. Jahrhundert stammen. Die Kirchturmspitze mit ihren 57 m Höhe überragt weithin das Land und ist eine Marke in den Seekarten. Endlich bekam Klaus in der Ackerbürgerei sein Bauernfrühstück. Es hieß hier zwar Bauernomelette oder englisch „potatos omelette with bacon“, geschmeckt hat es trotzdem sehr gut. Die Gaststätte ist sehr empfehlenswert. Am nächsten Tag wurden wir nicht vom Regen, sondern von einer kleinen Rauchschwalbe geweckt, die auf der Reling vor unserem Fenster zwitscherte und sich dort sonnte. Um 9:00 Uhr legten wir in Lassan ab. Der Morgen überraschte uns mit strahlendem Sonnenschein. Der Strom hatte kaum Welle und wir kamen gut voran in Richtung Stettiner Haff. Die Zecheriner Brücke passierten wir um 10:40 Uhr. Beeindruckend war für uns besonders der Torso der alten Karniner Eisenbahnbrücke. Die Hubbrücke, eine ingenieurtechnische Meisterleistung, wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Leider hat die Bahn für den Wiederaufbau kein Geld. Gegen 11:45 Uhr bogen wir über das Kleine Haff in den Usedomer See ein. Dieser ist sehr, sehr flach, hat aber einen besonderen Charme. Wir hatten teilweise nur noch eine handbreit Wasser unter dem Kiel. Leider fanden wir keinen Liegeplatz, die Umgebung des Sees genossen wir trotzdem. Zurück auf dem Stettiner Haff hatten wir wieder reichlich Welle und Regen. Alle Schotten mussten wieder dicht gemacht werden. In der Ferne im Osten zuckten die Blitze, wir fuhren zum Glück in die westliche Richtung. Gegen 13:10 Uhr erreichten wir die Peene und es regnete noch immer. Als nächstes Ziel hatten wir uns Stolpe ausgesucht, welches wir schon bei der Hinfahrt in Augenschein genommen hatten. Kurz vor dem
Ziel zeigte sich noch einmal der Seeadler. Die Anlandung in der Box meisterte Wolfgang mit Bravur. Stolpe ist ein Geheimtipp! Die ehemalige Klosteranlage wurde im Dreißigjährigem Krieg zerstört. Ausgrabungsreste dieser Anlage sind noch zu besichtigen. Das ehemalige Gutshaus wurde zu einer Hotelanlage umgebaut. Der Stolper Fährkrug gehört ebenfalls zu der Hotelanlage. Er bietet in gediegener historischer Atmosphäre tolles Essen. Auch der Ort selbst macht einen gepflegten Eindruck. Sehenswert ist auch die Kirche gegenüber der Gutsanlage. Der schöne Sonnenuntergang lies die Hoffnung auf einen schönen letzten Urlaubstag auf der Peene aufkommen. Am nächsten Morgen tritt genau das Gegenteil ein – es regnet heftig. Bereits in der Nacht ist einiges herunter gekommen. Gegen 8:00 Uhr schien „Klärchen“ aber wieder. Die Temperaturen lagen aber nur bei ca. 10°C – Schafskälte eben. Unser Bedauern galt den Paddlern, die frierend ihr Frühstück in der Sonne bereiteten. Nach Morgentoilette und Frühstück legten wir um 9:50 Uhr in Stolpe ab. Es ging weiter stromaufwärts. Wir wollten eigentlich direkt Malchin ansteuern. Die Brückenöffnungen in Loitz und Demmin mussten wir noch einkalkulieren. Unterwegs beobachten wir wieder Kraniche und brütende Schwäne. Die Brücke in Loitz wurde außerplanmäßig für ein Fahrgastschiff geöffnet und wir huschten noch mit durch. In Demmin mussten wir aber noch bis 17:00 Uhr auf die Passage der Hubbrücke warten. Wir erledigten noch einige Einkäufe in der Stadt. Es ging weiter die Peene aufwärts. Gegen 18:45 Uhr näherten wir uns dem Kummerower See. Wir entschlossen uns, in der Gaststätte Aalbude zu Abend zu essen. Wir durften auch vor der Gaststätte am Steg bleiben und übernachteten auch hier. Als Gäste war dafür nicht mal eine Gebühr fällig. Aalbude ist eine sehr gute Gaststätte mit einer gepflegten Speisekarte und frischen Fisch aus dem Kummerower See und der Müritz. Angeschlossen ist eine Pension mit 4 DZ und 2 EZ. Wir genossen den herrlichen Abend an Bord und beobachteten das Treiben auf der Peene und am Ufer. Unser letzter Tag. Um 7:00 Uhr gings aus den Federn. Die Sonne hatte uns bereits das erste Mal um 4:30 Uhr geweckt. Ein herrlicher Tag lag vor uns. Nach dem Frühstück legten wir um 7:45 Uhr von Aalbude ab. Der Kummerower See war spiegelblank. Einige Angler waren schon unterwegs. Die Sonne schien und wärmte gut nach einer kalten Nacht mit Temperaturen unter 10°C. Wir wollten Malchin gegen 9:00 Uhr erreichen und das Boot abgeben. Den Termin hielten wir auch ein. Eine sehr schöne kurze Urlaubswoche lag hinter uns. Das Wetter hatte sich zwar nicht immer von seiner besten Seite gezeigt, aber auch Wind und etwas Regen gehören zu so einer Tour dazu. Die Peene – sicher eine Geheimtipp. Viel Natur und viel Ruhe. Einen Tag mehr sollte man für die Tour möglichst einplanen, um den Peenestrom gen Norden zu erkunden. Sicher sind Einwegtouren z.B. bis oder von Barth eine gute Alternative.
Weitere Boote und Infos: www.bootsurlaub.de