Eine Seefahrt, die ist lustig !!

Eigentlich fahren meine Frau und ich jedes Jahr mit unseren Freunden Sven und Thomas zu unserem Winzer an die Nahe. Nur manchmal ist ja „eigentlich“. Im Frühjahr kam Sven mit einem Vorschlag an, den wir nicht lange überlegen mussten. „Was haltet Ihr von einem Bootsurlaub ?“ war seine kurze, aber folgenschwere Frage. Fanden wir gut, aber wie so etwas abgeht, hatten wir keine Ahnung. Sicherlich habe ich viele Seemeilen auf Segelbooten verbracht, aber immer nur auf offener See. Mal nach Norwegen, mal nach Shetland, aber auf so einem See oder gar
im Kanal ??
Naja, erst einmal im Internet recherchieren, Berichte lesen, Videos anschauen und die
möglichen Gegenden ausloten. Frankreich ? , Nee, viel zu weit mit dem Auto. Holland ? , Auch nicht viel besser, und ausserdem ist das ja alles plattes Land und auf Wohnwagen hatte ich auch keine Lust. So war das nächste Revier auch gleich die beste Wahl: Müritz und die angrenzenden Seen und Kanäle. Yachtcharter Schulz hatte für unsere Ansprüche auch das beste Angebot. Die Anfrage wurde schnell und nett beantwortet. Kurz darauf hatten wir uns für eine Pedro Levanto entschieden. Mit 13,2 mtr Länge und für 4 Personen eingerichtet machte diese Schiffchen einen Supereindruck auf uns. Also schnell gebucht und auf den Urlaub freuen.
Naja, leichte Bedenken hatte ich schon. Ausser mir ist bisher keiner auf einem Boot gewesen. Geschweige denn gefahren. Nach einigen Abenden mit Knotenübungen, Navigation und Seekartenkunde und der einen oder anderen Flasche Wein ging es dann endlich am 14. September los.
Als wir dann in der Marina-Eldenburg eintrafen, wurden wir sehr herzlich begrüßt und zu unserer „Olivia“ gebracht. Im Vorwege hatten wir Getränke bestellt und an Bord bringen lassen. Die standen bereits auf dem Achterschiff. So ein Schiff kann ganz schön groß sein. Aber demnach ist innen auch reichlich Platz. Also erst einmal innen alles begutachtet, jede Klappe öffnen, jeden Schrank begutachten und untersuchen. Meine Frau und ich richteten uns im Vorschiff gemütlich ein und unsere Freunde bezogen das Schlafzimmer im Heck. Richtig gelesen: Schlafzimmer. Großes Doppelbett, viel Stauraum und Schränke und Toilette und Dusche getrennt; richtig komfortabel.

ist das nicht ein nettes Schiffchen ??? Dann kam noch die Einweisung in unsere Yacht, vorhandene Mängel wurden aufgenommen, einige Geräte wurden erklärt und dann war es unser Zuhause für die nächsten 7 Tage. Am Abend haben wir die Route besprochen und uns für Mirow entschieden. Also einmal quer über die Müritz und die erste Schleuse kam auf uns zu.
Montag 15.9. 2008
Nach einem guten Frühstück, die Brötchen aus dem Restaurant ( aufgebackene Teiglinge ) kann man getrost vergessen und mit dem Auto aus Waren richtige holen, legten wir um 10:10 Uhr ab.Schon kam die erste Schrecksekunde.Ordentlich wie man ist, hatten wir abends alles ausgeschaltet, aber leider nicht Bug und Heckstrahlruder wieder eingeschaltet. Handbremse kannstde nicht ziehen, also tief in den Analen graben und mit leicht vor, und einmal zurück, aus dem Hafen raus. Hat super geklappt und die zittrigen Hände beruhigten sich schnell wieder.
Das sind Dinge, die macht man nur einmal. Haben wir in Zukunft auch nicht mehr vergessen.
Als wir auf die Müritz rausfuhren habe ich doch gestaunt, wie groß der See ist. Mit Fernglas und der Seekarte, die doch schon arg angegrabbelt war, haben unsere Freunde sich erst einmal orientiert. Wo sind Bojen, wie müssen sie umfahren werden und so weiter. Die Kardinaltonnen in der Mitte haben wir östlich genommen und somit einen Bogen über den See gefahren.
Die Ausfahrt aus dem See haben wir leicht gefunden und konnten unsere erste Kanalfahrt genießen.
der erste Kanal, es geht Richtung Mirow
Noch ist ja alles im grünen Bereich. Die Schleuse mit dem höchsten Hub wartet schon auf uns.
Aber es ist alles halb so wild, wir sind sicher nicht einzigen die noch feucht hinter den Seeohren sind, also ran an den Speck. Vor der Schleuse warteten schon einige Boote. Also erst einmal festmachen und auf grün warten.
Bei der Einfahrt hat der Schleusenwärter die Boote über Lautsprecher gut positioniert, so daß wir auch noch mit reinkamen. Die anfängliche Unsicherheit ist völlig unbegründet.
Das geht alles ganz easy ab und man hat jede Menge Zeit, die Leinen zu führen. Ausfahrt aus der Schleuse in Richtung Mirow
Nach 17 Meilen, knapp 28 Kilometer, legten wir um 14:50 Uhr im Hafen von Mirow an.
Ein bißchen stolz und zufrieden mit unserem ersten Tag hat auch noch das Anlegemanöver rückwärts an den Steg einwandfrei geklappt. Ein kleiner Spaziergang und dann gab es einen „Festmacherschnaps“. Nach und nach kamen noch ein par Boote herein.
Wir hatten es uns gemütlich gemacht als es draussen lauter wurde. Ein Boot versuchte, rückwärts an den Steg zu kommen, trieb aber immer wieder quer. Ein älterer Herr auf der Fly hatte offensichtlich arge Probleme, das Boot rückwärts an den Steg zu bringen.
Sie wollten neben uns festmachen und so ging ich das Vorschiff, um mir das anzusehen.
Erst als das Nachbarboot eine Leine genommen hatte und ich ihm zurief, was er machen solle, bekam er die Sache etwas in den Griff. Aber mit gemeinsamer Hilfe aller haben wir das Boot festmachen können. Es stellte sich heraus, das die älteren Herrschaften im Pech gebadet haben.
Auf der Hinfahrt zur Bootsübernahme hatten Sie einen Unfall auf der Autobahn und der Herr, der das Boot hätte fahren können, konnte nicht auf die Fly, weil sein Fuß verstaucht war. Aber es ist schön, daß alle im Hafen mithelfen, wenn man merkt, das jemand Probleme hat. Nachdem das erledigt war, hat Sven unser Essen zubereitet und wir machten uns über die Rouladen her.
Nach einem guten Glas Wein wurde die nächste Tagestour besprochen. Wir entschieden uns für Fürstenberg.
Dienstag 16.9. 2008
Leckeres Frühstück macht Spaß auf den Tag. Um 10 Uhr legten wir in Mirow ab und machten uns auf den Weg. Eine wunderschöne Landschaft, tolle Kanäle und natürlich Schleusen haben uns tagsüber bei Laune gehalten. Eine wirklich zu empfehlende Strecke. Um 15:30 Uhr haben wir in Fürstenberg nach 17 Meilen, 27 km, festgemacht. Wir haben vor der Schleuse angelegt, da wir nicht in die Havelkanäle fahren wollten. Der Stadthafen ist sicher auch eine Alternative.
So sind wir zu Fuß in den Ort gegangen und hatten ein Dejavue-Erlebnis. Das hatten wir schon einmal gesehen: triste, graue ungepflegte Häuser, Menschen die mit langen Gesichtern durch die Gegend liefen, selbst beim Einkaufen machte der Laden einen Eindruck von Unordnung und Chaos.
Der kleine Scherz mit der Kassiererin wurde von ihr mit einem Gesicht quittiert, wo man den Frust nicht deutlicher erkennen konnte. Also da sollten wirklich mal Fördergelder hin, um Schwung in die Gegend zu bringen.
So genossen wir unser Abendbrot an Bord, wo Sven wieder einmal seine Kochkünste
aufblitzen lies. Abendstimmung in Fürstenberg Mittwoch 17.9. 2008
Unser Tagesziel sollte Neustrelitz sein. Aber es kam alles ganz anders…
Um 10 Uhr legten wir ab und fuhren unsere gestrige Strecke bis zum Ellbogensee zurück, um dann in Richtung Neustrelitz abzubiegen. Wenn man vom Wagnitzsee in die obere Havel-Wasserstrasse fährt, hat man eine Landschaft vor sich, die ein Erlebnis der besonderen Art ist.
Die urtümliche Landschaft und die Ruhe sind schon toll. Aber…
Die Karten der Gewässer sind wohl eine Wissenschaft für sich. Umblättern und weitersuchen ist die Devise. Irgendwann hat man das Schema halbwegs begriffen und findet sich zurecht.
Man sollte aber alles beachten !!
Wie wir nun die Landschaft genießen, verfahren is ja nicht , geht nur einen Kanal
lang, blättere ich unseren Weg in den Karten auf. In der Ferne erschien die erste Schleuse und ich traute meinen Augen nicht. Steht doch auf der Karte eine Brücke mit 3,50 mtr Durchfahrthöhe. Unser Schiff ist aber 4 Meter hoch. Es stand zur Diskussion: Persenning runter ( erheblicher Aufwand ), oder umdrehen. Nach kurzer Beratung stand fest: wir drehen um.
Problem: laaanger schmaler Kanal und ein Boot mit 13 Metern Länge. Also habe ich das Boot mit Bug- und Heckstrahlruder umgedreht und wir sind zurück.
Urtümliche obere Havel-Wasserstrasse Hier sind noch gut 10 cm Platz nach oben !
Die beiden oberen Bilder zeigen die Landschaft in Richtung Neustrelitz.
Durch den vermeindlichen Abstecher hatten wir nach 25 Meilen, 40 km, um 16 Uhr
in Mirow festgemacht. Lecker Essen in einem Restaurant machte die Schlappe wieder wett.
Donnerstag 18.9. 2008
Nach ausgiebigem Frühstück machten wir uns auf den Weg in Richtung Norden. Einmal zurück in Richtung Heimathafen und dort vorbei nach Malchow. Die Gegend fehlte uns ja schließlich noch.
Mittlerweile waren die Schleusen kein Problem mehr und es klappte bestens. Auf der Karte sind in Malcow vor der Drehbrücke 2 Yachthäfen eingezeichnet. Als wir aber die „ Häfen „ sahen, verging die Lust auf das Anlegen. Die meisten Plätze waren sowieso belegt und von Infrastruktur war nichts zu sehen. Es sollen laut Karte ja auch Liegeplätze bei Werften sein. Sah auch genau so aus. Also sind wir leicht angeknabbert weiter gefahren und letztendlich durch die
Drehbrücke hindurch. Auf der rechten Seite kam ein Stadthafen der allerersten Güte.
Überrascht und sehr erfreut machten wir darin um 15:15 Uhr, nach 25 sm, bzw 46
km, fest. Der Hafen ist erst in diesem Frühjahr eingeweiht worden.
Alles was ein Skipperherz benötigt in unmittelbarer Nähe. Selbst die beiden Bäcker in der Nähe waren nur 200 Meter entfernt. Wen es interessiert, sollte auf jeden Fall das „ DDR-Museum“ besuchen. Da haben Bürger aus Malcow mit viel Liebe alte Relikte aus der DDR-Zeit
zusammengetragen und ausgestellt. Nachts im Stadthafen von Malchow
Freitag 19.9. 2008
Weil uns die Stadt so gut gefallen hat, sind wir erst um 12:30 Uhr losgefahren. Man könnte bequem bis nach Lübz weiterfahren, aber wir wollten nur einen kurzen Trip machen, also ging es nach Plau am See. Nach 6sm, 11 km, legten wir im Hafen von Plau an. Wieder so ein neu angelegter Hafen mit allen erdenklichen Einrichtungen. Direkt vor den Augen vom Hafenmeister in Plau am See Auch hier in Plau ist ein Landausflug unbedingt empfehlenswert. In 10 Minuten ist man bei der alten Kirche oder am Schloss, wo wiederum Bürger ein sehr gut aufgebautes Museum eingerichtet haben. Dort sind alte Maschinen und Geräte aus vergangener Zeit zu bewundern. Teilweise sogar noch in Funktion.
Man sollte sich auch die alte Hubbrücke ansehen. Da muss man unterdurch wenn es weiter in Richtung Schwerin gehen soll. Die letzte Nacht in einem anderen Hafen, denn morgen geht es zurück zum Stützpunkt. Noch einmal ein gutes Glas Wein getrunken und die gemachten Videos am Fernseher schon mal angeschaut.
Samstag 20.9. 2008
Brötchen geholt und nach einem reichhaltigen Frühstück legten wir etwas wehmütig um 11:30 Uhr ab in Richtung Heimathafen. Dort sind wir dann um 14:45 Uhr angekommen und haben gleich zum Tanken festgemacht. Erika hatte die Woche über ein kleines Logbuch geführt und so konnten wir feststellen, dass wir insgesamt 103 sm, 190 km und 26 Betriebsstunden gefahren sind. Laut Prospekt soll unser Boot ca 8 ltr die Stunde verbrauchen.
Nach 86 Litern war der Tank voll, also hat unser Motor pro Stunde gerade 3,3 Liter Diesel verbraucht. Ein wirklich sehr guter Verbrauch für eine 136 PS starke Maschine.
Abschließend noch einige Bemerkungen:
In der Ausgangsmarina in Eldenburg wird man sehr nett und unklompliziert bedient und bei allen Mitarbeitern ist der Spaß an der Arbeit zu sehen. Unterwegs sind wir in allen Häfen und an allen Schleusen mit netten Menschen in Kontakt gekommen die einem den Spaß am Wiederkommen noch verstärken. Die Liegegebühren sind abhängig von der Länge des Schiffes und betragen 1 Euro pro Meter. In einigen Häfen ist Strom inbegriffen, bei anderen muß der Landstrom
über einen Münzautomat bezogen werden. Also alles in allem kein großer Posten. Letztendlich ist so ein Urlaub sicher auch eine Kostenfrage, so ein Komfortschiff ist nicht zum Schnäppchenpreis zu bekommen. Aber wo bekomme ich in der heutigen Zeit Superkomfort noch preiswert ? Aber es muss ja nicht immer so ein großes Schiff sein. Die kleineren Boote sind auch mit allem ausgerüstet, was man braucht. Und die Menschen sind dann genau so nett. Ich will hier keine Werbung für irgendjemand machen, nein, ich habe mit diesem Bericht nur unsere subjektive Meinung wiedergegeben. Und die war und ist eine besondere Erinnerung an eine tolle Woche.

Zum Anbieter Hausboote in Mecklenburg >>

Yachtcharter-Schulz schickt “Müritzeum” aufs Wasser

Das neue Naturinformationszentrum für die Mecklenburgische Seenplatte – das Müritzeum – geht baden.
Allerdings nur im übertragenen Sinne als Namenspatron für ein Schiff. Steffen Schulz, vom Bootsvermieter Yachtcharter-Schulz, der mehr als 60 Schiffe zur Vermietung auf 4 Revieren anbietet, taufte gemeinsam mit Warens Landrätin Bettina Paetsch und dem Wirtschaftsminister Jürgen Seidel das neue Hausboot auf den Namen “Müritzeum”. Bis zu zehn Passagiere haben auf dem knapp 14 Meter langen und 220 000 Euro teuren Freizeitschiff Platz. Von der Müritz bis Berlin, Stettin und hoch zur Ostsee soll es künftig auf seinen Fahrten das größte Süßwasseraquarium über die Seen und Flüsse bekannter machen. Die Idee dazu entstand in diesem Sommer und wurde von der Leitung des Müritzeum und der Landrätin begeistert aufgenommen.

Weitere Infos zum Boot unter: www.bootsurlaub.de

Kontakt und Bildmaterial:

Steffen Schulz
An der Reeck 17 · 17192 Waren Müritz
Tel. 03991-121415 · Fax 03991-121577
www.bootsurlaub.de · info@bootsurlaub.de